Im Vortrag beleuchtet Armin H. Flesch, freier Autor und Journalist, wie ihn 2014 eine E-Mail aus Basel erstmals mit dem Thema der Arisierung konfrontierte: Der Enkel eines jüdischen Unternehmers machte ihn darauf aufmerksam, dass die Nachkommen jener Familie, die 1935 das Unternehmen seines Großvaters im Zuge der Arisierung übernommen hatten, heute eine „fast 100-jährige Familientradition“ für sich reklamierten – ohne auf die Enteignung hinzuweisen. Diese Begegnung wurde für Flesch zum Ausgangspunkt intensiver Recherchen über die bis heute spürbaren Folgen des legalisierten Raubs jüdischen Eigentums. Seine Arbeit untersucht, wie das System der Arisierung funktionierte, wer davon profitierte, wie heutige Eigentümer arisierten Besitzes mit der NS-Vergangenheit ihrer Familien umgehen und welche Bedeutung die Arisierung für das Verständnis des Holocausts und der deutschen Gesellschaft vor und nach 1945 hat. Flesch publiziert regelmäßig dazu, hält seit 2017 bundesweit Vorträge, besucht Schulen und arbeitet an einem Buch zum Thema.
Die Veranstaltung bildet zugleich die Finissage der Ausstellung „Tod den Naziverbrechern! Widerstand gegen den Nationalsozialismus am Kriegsende“, die aufgrund des großen Interesses bis zum 06. Dezember 2025 verlängert wurde.
Organisiert wird die Veranstaltung von der Landeszentrale für politische Bildung, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Bad Hersfeld–Rotenburg e.V., dem Jüdischen Museum Mikwe Rotenburg/Fulda, Bunt statt Braun Hersfeld-Rotenburg e.V. sowie der Initiative Omas gegen Rechts.